Kinderfotos bei Facebook & Co: Ein Thema, das polarisiert – Teil 2

In meinem ersten Blogartikel zum Thema habe ich Euch die Gefahren dargestellt, die das Veröffentlichen von Kinderfotos im Netz mit sich bringt. Noch einmal kurz zusammengefasst: Experten, wie zum Beispiel auch die Polizei, warnen schon seit längerer Zeit davor, dass Fremde Bilder von Kindern bei Facebook, Instagram und Co sammeln, und diese dann für kinderpornographische Zwecke und/oder Cybermobbing im Netz missbrauchen.

Gefahren des Internets vermeiden

Die einfachste Strategie ist natürlich auch die radikalste: Speichert die Fotos Eurer Lieblinge woanders – und veröffentlicht sie nicht im Internet. Zeigt sie Euren Freunden und der Familie lieber in Fotoalben – so wie früher.

Und wenn ihr sie unbedingt bei Facebook postet, dann achtet doch auf die richtige Privatsphäre-Einstellung: Postet die Bilder nicht öffentlich, sondern speichert sie nur unter der Einstellung „für Freunde sichtbar“. Oder noch besser: Markiert einzelne Personen (zu finden unter „benutzerdefinierte Einstellung“) und gebt nur denjenigen die Erlaubnis, dieses Foto anzuschauen.

Macht Euch Gedanken, bevor Ihr Kinderfotos veröffentlicht

Mein Appell an Euch: Macht Euch Gedanken, bevor Ihr ein Foto online stellt. Stelle ich mein Kind damit zur Schau? Wird es dadurch in irgendeiner Art und Weise gedemütigt oder in seiner Intimsphäre verletzt? Wie könnten diese Fotos von fremden Personen angeschaut und interpretiert werden? Was antwortet Ihr Eurem Kind, wenn es Euch in 10 oder 20 Jahren fragt: Mama, warum hast Du dieses Foto von mir für die ganze Welt öffentlich gemacht?

Am besten versetzt Ihr Euch am Ende Eurer Überlegungen auch einmal in die Lage Eures Kindes: Wie fändet Ihr es, wenn solch ein Foto von Euch online gestellt würde? Und macht Euch klar, warum Ihr das Bild unbedingt online setzen wollt. Und hier ist eine Menge Ehrlichkeit und Selbstreflektion angesagt: Seid Ihr ggf. insgeheim auf die „Gefällt mir“-Klicks der anderen User aus? Handelt es sich dann aber nicht um reine Selbstbestätigung und Selbstdarstellung Eurerseits? Hat Euer Kind etwas davon, wenn ihr das Foto online setzt?

Vielleicht ist ja auch der Mittelweg für Euch und Eure Familie ideal. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, Fotos Eurer Kinder zu posten, auf denen Eure Lieblinge nicht wirklich zu erkennen sind? Damit meine ich zum Beispiel Fotos der kleinen Babyhände oder ein Bild, auf dem Euer Kind von hinten oder von oben fotografiert ist, sodass das Gesicht nicht zu erkennen ist. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Gesicht Eures Lieblings zu verpixeln. Denn auch so könnt Ihr in den sozialen Netzwerken mitmachen und allen Euren größten Stolz präsentieren!

Medienkompetenz: Wichtig für Kinder UND Eltern

Mittlerweile ist mein Sohn Michel schon ein Teenager und wir reden oft über das Thema Privatsphäre im Netz: Was heißt öffentlich und was heißt privat? Möchte ich wirklich, dass zum Beispiel ein Lehrer, mit dem ich auch bei Facebook befreundet bin, ein Foto von mir sieht, wie ich am Wochenende Partys feiere?

Wenn Eure Kinder größer sind, liegt es an Euch, ihnen den Umgang mit persönlichen und sensiblen Daten und dem Internet beizubringen – das gehört heute einfach mit zum Alltag. Wie gesagt bin ich ja selbst Mami und habe bei meinem Sohn Michel immer versucht, ihm darin ein gutes Vorbild zu sein. Denn wie sollen unsere Kinder lernen, sorgsam mit dem Netz umzugehen, wenn bereits ihre gesamte Kindheit in Form von Fotos online ist?

Ab wann Kinder bzw. Teenager ein Bewusstsein dafür entwickeln, was eine Veröffentlichung im Internet bedeutet, ist wahrscheinlich abhängig vom Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes. Bei uns Zuhause ist es jedenfalls so, dass ich Michel ganz explizit bei jedem einzelnen Foto frage, bevor ich es überhaupt in Erwägung ziehe, das Bild von ihm zu veröffentlichen.

Denn wenn Ihr mich nach meiner Meinung fragt, kann ich Euch ganz klipp und klar sagen: Ich finde, dass Eltern nicht einfach machen können, was sie wollen. Wir sind doch dafür verantwortlich, dass die Privatsphäre unserer Lieben geschützt wird!

Wie ich als aleXa paul mit der Thematik umgehe

Am Ende noch einmal kurz zu mir: Ihr kennt mich als Fotografin und dadurch habe ich eine besonders große Verantwortung, was Kinderfotos im Internet in den sozialen Netzwerken angeht. Dessen bin ich mir sehr bewusst! Immer wieder spreche ich mit Kollegen, Freunden und Bekannten darüber und versuche so, die Beweggründe anderer zu verstehen.

Und Ihr könnt Euch vorstellen, wie intensiv ich mir Gedanken mache, bevor ich Kindefotos meiner Kunden veröffentliche. Alle guten Ratschläge, die ich in diesem Blogbeiträge zusammengetragen habe, gehe ich in Gedanken durch. Am Ende könnt aber nur Ihr, die Eltern, die endgültige Entscheidung darüber treffen: Ist es in unserem Sinne, dass das Bild unseres Kindes ins Internet hochgeladen wird und können wir diese Entscheidung im Wohle unseres Kindes mittragen?

Fest steht jedenfalls: Das Thema polarisiert. Und deswegen bin ich nun noch gespannter auf Eure Meinungen als sonst!

Eure

aleXa paul

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