Kinderfotos bei Facebook & Co: Ein Thema, das polarisiert – Teil 1

1,5 Millionen Klicks hat Sängerin Rihanna für dieses Foto bei Instagram bekommen: Zu sehen sind zwei nackte Menschen. Eine Frau, die vor einer Badewanne kniet, in der sie ein Kleinkind badet. Als wäre das nicht genug, verdeckt sie dabei sie ihre eigene freiliegende Brust mit einer Hand und  küsst das nackte Mädchen, übrigens Rihannas Nichte Majesty,  auf den Mund. Viele User feiern dieses Bild. In den Kommentaren darunter bekommt Rihanna hauptsächlich Lob: „Du bist so hübsch“ heißt es und „Du bist so eine tolle Tante“.

Meine ersten Gedanken zu diesem Foto gingen in eine ganz andere Richtung. Ich finde, dass das ein ganz schöner intimer Moment ist, den Rihanna mit der ganzen Welt teilt.  Und die kleine Majesty wurde nicht gefragt, ob sie damit einverstanden ist, dass dieses Foto nun für alle Welt öffentlich im Internet kursiert.

Als Fotografin kann ich sagen: Fotos sind mein Leben! Und ja, Kinder sind die wunderschönste Sache auf der Welt. Ich bin selbst Mami und weiß, dass jede Mama und jeder Papa das allerschönste Kind überhaupt hat. Verständlich, dass man das Jedem zeigen will. Früher ließ man Kinderfotos noch entwickeln, klebte sie feinsäuberlich ins Familienalbum und zeigte sie dann bei Gelegenheit Familie und Freunden. Heute gehen Fotos online – und das innerhalb von Sekunden: Das Handy aus der Tasche geholt und schon ist der Moment für die Ewigkeit festgehalten.  Ob beim Kuscheln, Kochen, Spazieren gehen, Wickeln, Baden oder Essen – schnell noch einen Filter drüberlegen und innerhalb kürzester Zeit, kann es theoretisch jeder Mensch auf dieser Welt sehen! Umso schöner, wenn andere User dann das Bild des eigenen Kindes liken…!?

Experten warnen davor, Kinderfotos ins Netz zu stellen

Liebe Mamas, liebe Papas, liebe Omas, liebe Opas, vielleicht ist Euch gar nicht bewusst, welche Gefahren und Risiken das Internet in diesem Bereich birgt. Ist Euch zum Beispiel klar, dass nicht nur Eure Freunde bei Facebook Eure Bilder sehen können, sondern auch andere – vielleicht nicht so nette – Menschen, die Dinge mit diesen Fotos anstellen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen?

Ich mag in diesem Blogbeitrag auf gar keinen Fall den Moralapostel spielen, aber ich bin nicht die Einzige, die Kinderfotos in sozialen Netzwerken kritisch sieht. Experten, wie zum Beispiel auch die Polizei, warnen schon seit längerer Zeit davor, dass Fremde Bilder von Kindern bei Facebook, Instagram und Co sammeln, und diese dann für kinderpornographische Zwecke und/oder Cybermobbing im Netz missbrauchen. Selbst, wenn ein Foto bereits wieder gelöscht wurden, kann man nicht sicher sein, ob sie vielleicht heruntergeladen und abgespeichert oder weitergeleitet wurde.

Mit ihrem Facebook-Posting im Jahr 2015 zu diesem Thema hat die Polizei Hagen knapp 17 Millionen Menschen erreicht. In dem Text heißt es unter anderem:

„(…)  Vielleicht finden Sie die Fotos heute süß, Ihrem Kind sind sie in ein paar Jahren aber endlos peinlich. Oder Ihr Kind wird damit sogar gemobbt. Noch schlimmer: Pädophil veranlagte Menschen bedienen sich solcher Fotos und nutzen sie für ihre Zwecke bzw. veröffentlichen sie an anderer Stelle. Auch ihre Kinder haben eine Privatsphäre. Kinderfotos haben in sozialen Netzwerken grundsätzlich nichts zu suchen. Denn das Internet „vergisst“ nichts.“

(Quelle: Polizei NRW)  

Dazu kommt folgendes Szenario: Vielleicht hat der ein oder andere auch schon einmal beim Durchblättern der guten alten Fotobücher genervt seine Mutter gefragt, ob diese grauenhafte pinke Hose wirklich sein musste. Wenn die Mutter dann antwortet: „DU hast diese Hose heiß und innig geliebt und wolltest sie gar nicht mehr ausziehen“, kann man ihr doch wirklich dankbar sein, dass sie das Foto NUR im Familienalbum für die Ewigkeit festgehalten hat und sie es einem erspart hat, dass Jedermann das Foto – auch heute noch; Jahre später – im Netz finden kann!

Im nächsten Blogartikel zum selben Thema stelle ich Euch dann vor, was Ihr tun könnt, um die Bilder Eurer Kinder auch in sozialen Netzwerken auftauchen zu lassen – ohne, dass diese davon Schaden nehmen!

Bis bald,

Eure aleXa paul